Abstillen die Dritte: Tag 9 bis kurz vor knapp

Tick tack, tick tack — die Zeit drängt. Nur noch zwei Tage bis zur Feier. Vielleicht lief „Mission Abstillen“ deshalb in den letzten Tagen so aus dem Ruder. Ich wollte eigentlich ohne Tränen und Frust abstillen, ohne Zwang ganz friedlich. Und dann kam es doch anders.

Zunächst lief alles nach Plan. Mittags brauche ich nicht mehr im Garten meine Runden ziehen, damit Mops einschläft. Ganz entspannt, nach dem Mittagessen, gehe ich mit ihr hoch. Sie kuschelt sich an mich und schläft mal schnell, mal langsam aber immer entspannt auf meinem Arm ein. Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass Klops‘ Schaukelelefant uns beide aushält, so muss ich nicht mehr stehen und kann meinen Rücken entlasten.

Auch das Einschlafen abends mit meinem Mann klappt super. Probleme hat sie weiterhin mit dem Wiedereinschlafen in der Nacht. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass es am Zahnen liegt. In der letzten Woche sind zwei Schneidezähne durchgekommen. Aber damit nicht genug. Nein! Es haben sich auch zwei Backenzähne auf den Weg gemacht. (So langsam glaube ich an eine Verschwörung!) Die haben uns in der letzten Woche die Abende und Nächte zur Hölle gemacht:

Eines Abends wurde sie gegen 22 Uhr wach. Soweit nicht ungewöhnlich. Nur schlief sie nicht wieder ein. Auch nicht beim Stillen. Und so hing sie die halbe Nacht an meiner Brust. Am nächsten Abend das selbe Spiel, nur schon ab 21 Uhr. Wieder einen Tag später um 20 Uhr und noch einen Tag später, war sie bereits nach einer halben Stunde wieder wach, sprich um 19:15 Uhr. Zwischendurch hatten wir es mit Dentinox probiert, aber nur an der Brust blieb sie ruhig. Die Tage gaben mir noch den Rest. Sie war quengelig und wollte fast nur auf meinem Arm sein.

Am fünften Tag war ich dementsprechend müde, kaputt und genervt. Mein Mann war abends nicht da, weshalb ich sie ins Bett bringen musste. Immerhin das hatte (bei meinem Mann) die Tage zuvor gut geklappt. Ich war optimistisch und freute mich zumindest mal nen Moment Ruhe zu haben, bevor das Spiel von vorne losgeht. Klops schaute ihre Serie, Mops und ich machten uns auf den Weg ins Bett und steuerten auf eine Katastrophe zu.

Sie fing schon auf dem Wickeltisch an zu weinen und hörte dann einfach nicht mehr auf. Sie wand sich in meinem Arm, keine Position war gut. Sie weinte und weinte. Ich gab ihr Dentinox. Sie weinte weiter. Ich gab Mops ein Zäpfchen*. Aber sie weinte weiter und weiter.

Ich weiß nicht wie lange das so ging. Irgendwann bin ich mit ihr runter gegangen. Klops musste ja auch noch ins Bett. Sie beruhigte sich kurzfristig und schlief, als wir zu dritt wieder oben waren, nach fünf Minuten „Extrem-Schuckeln“ (ich bin fast gehüpft) ein. Pure Erleichterung. Aber…

…klarer Fall von „zu früh gefreut“: Beim Ablegen wieder wach geworden, und das ganze Spiel von vorne. Nach insgesamt zwei Stunden habe ich sie doch angelegt und endlich schlief sie ein. Warum ich das nicht vorher gemacht habe? Ich hatte Angst. Angst, sie würde an diesem Abend gar nicht erst einschlafen, sondern direkt an meiner Brust hängen bleiben. Ich wollte nur ein paar Minuten Ruhe und wenn es nur die Gute-Nacht-Geschichte für Klops lang dauern würde. Außerdem war ich mental nur darauf vorbereitet, dass es nicht weitergeht mit dem Abstillen, sprich, dass sie weiterhin nachts die Brust brauchte. Aber einen Schitt zurück machen? Sie wieder zum ersten Einschlafen stillen? Nein das war nicht der Plan gewesen.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber wenn ich so müde und frustriert bin, bin ich nicht in der Lage spontan meine Pläne zu ändern. Ich kann dann nur in eine Richtung denken: Das muss jetzt klappen. Es muss! Es gibt keine Alternative. Ich glaube, weil ich sonst immer drei Schritte im voraus denke. In solchen Situationen kann ich das nicht, ich kann die Konsequenzen nicht abwägen und halte dann am ursprünglichen Plan fest. Andernfalls verliere ich die Kontrolle. Zumindest glaube ich das. In Wirklichkeit habe ich sie dann schon verloren: Statt zwei Stunden stillen, hab ich zwei Stunden getragen. (Ist natürlich sehr viel entspannter…) Statt von einer Gute-Nacht-Geschichte, wurde Klops vom Weinen ihrer Schwester in den Schlaf begleitet. Und statt entspannter fünf Minuten hatte ich ein schlechtes Gewissen.

Ich fühlte mich wirklich schlecht danach. Das war doch genau das, was ich nicht wollte. Ich hätte ihr doch einfach geben können, was sie brauchte. Aber nein, wie ein sturer Esel, habe ich sie völlig sinnlos durch die Gegend geschuckelt, ihr Medikamente statt der Brust gegeben und ihre Schwester alleine einschlafen lassen. Ich hätte mich ohrfeigen können.

Zum Glück schlief sie nach diesem Drama recht gut (4 Stunden, das längste seit Monaten), so dass ich mich auch etwas erholen und nachdenken konnte. Am nächsten Tag wollte ich alles wieder besser machen. Kein Druck mehr. Auch wenn es bis zur Party nicht mehr klappe. Es ist wäre kein Weltuntergang. Dann halt bis zur „Willkommen-zurück-Party“ in einem Jahr.

Jetzt, zwei Tage später, sitze ich bei einem Virgin-Daiquiri in einer Bar in unserer Nähe. Es ist die Generalprobe für die Abschiedsfeier in zwei Tagen. Einer der Backenzähne ist durchgekommen, sie schläft zumindest wieder bis 22 Uhr und mit meiner neugewonnenen Zen-Haltung schläft sie abends auch bei mir friedlich ohne Brust ein. Zumindest ein paar Stunden werde ich außer Haus sein können. Nicht ganz das, was ich mir vorgestellt habe, aber so ist das halt mit den Vorstellungen und der Realität.

Wie alles began

Tag 5-8

 

*In meiner Ratlosigkeit erinnerte ich mich an meinen Kinderarzt, der mir damals bei Klops gesagt hatte, wenn das Zahnen wirklich schlimm ist, helfe nur ein Zäpfchen.

[ssba]

4 thoughts on “Abstillen die Dritte: Tag 9 bis kurz vor knapp”

  1. Schöner Beitrag! Meine Kleine ist gut 9 Monate und wir versuchen auch die Stillmahlzeiten zu reduzieren, tagsüber geht das gut, nachts muss ich sie anlegen wenn sie aufwacht, sonst schläft sie nicht mehr ein. Und ich merke auch, dass es mit den Kopf durch die Wand nicht geht, manchmal gibt es Tage wo sie sehr weinerlich ist und ganz oft aufwacht, sind dann wohl die Zähne, dann spart man sich mit doch noch mal eins öfter anlegen echt Stress…
    Hilfreich wäre es, wenn du in deinen Artikeln immer schreibst wie alt Mops oder Klops gerade ist, dann hat man eine bessere Vorstellung vom Drama 🙂
    Was mir bei diesem ziemlich coolen WordPress-Layout auch fehlt: Ein Beitragsdatum!

    LG, Inna

    1. Hallo Inna! Vielen Dank! Vor allem für deine Ratschläge. Du hast recht, es schaut ja nicht jeder immer nach, wie alt die zwei sind (zur Zeit 1 und fast 4). Habe ich gar nicht drüber nach gedacht. 🙂 Nach dem Beitragsdatum werde ich auch mal schauen. Viel Erfolg noch beim Abstillen und hoffentlich bald ruhige Nächte!
      Liebe Grüße

  2. Oh ich kann mich so gut in Dich hineinversetzen. Zwar ist unsere noch etwas jünger, aber auch wir versuchen ja gerade vom Einschlafstillen loszukommen. Auch hier mal mehr und mal weniger erfolgreich. Und auch ich habe das Baby bereits stundenlang geschuckelt, weil ich zu stur war sie wieder anzulegen. „Sie kann keinen Hunger haben, sie hatte ja erst vor einer halben Stunde getrunken…“. Du bist also nicht allein 😉
    Ich bin gespannt, wie es bei Dir ausgeht.
    LG Wiebke

    1. Danke! Das ist wirklich beruhigend zu hören. 🙂 Man fühlt sich ja doch immer etwas alleine mit seinen Fehlern und Problemen. Mittlerweile bin ich auch wieder entspannt. Sie will bei mir abends zwar immer noch die Brust, aber bei meinem Mann schläft sie friedlich so ein. Ich habe also tatsächlich wieder freie Abende. Die ganze Nacht weg sein klappt zwar nicht, aber wer will (schafft) das schon in meinem Alter mit zwei Kindern. 😉 Ich hoffe, bei dir klappt es auch bald!

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