Ahhhhhhhhhhhhh — Ausraster

Kommen wir direkt zum Punkt! Manchmal wird mir mit den Mädels alles zu viel. Beispiel gefällig? Bitte: Ich hatte Kopfschmerzen, Nackenschmerzen und mir war schlecht. Schon seit dem Abend zuvor. Das Wetter war nass, grau und kalt- Kurzum: es war einer dieser Tage, an denen man sich am besten alleine in eine Ecke verkriecht und wartet bis es besser wird.

„Alleine“ — so ein schönes Wort! Einige mögen mir widersprechen. Das kann ich verstehen. Aber ich persönlich wäre gerne mal wieder alleine. Ich brauche das. Irgendwie ist es mir im Moment jedoch nicht mal ein Stündchen vergönnt. Es ist als hätten sich alle gegen mich verschworen. Wenn Mops eingeschlafen ist, braucht Klops noch ne Weile. Wenn Klops dann schläft, wird Mops wieder wach. Wenn dann endlich beide schlafen und ich in Ruhe auf’m Sofa etwas schreiben möchte, hat eine der Katzen das Bedürfnis zu kuscheln. Aber wirklich nur, wenn ich schreiben will. Wenn ich nur da sitze, einen Film schaue und ich kuscheln könnte, bin ich völlig uninterressant! Nach einer halben, dreiviertel Stunde wird dann Mops wieder regelmäßig wach. Es ist wie verhext und nach ein paar Tagen nehme ich es auch langsam persönlich.

Die einsame kleine Ecke stand mir an besagtem Tag demnach nicht zur Verfügung. Also: Augen zu und durch! Den Vormittag stand ich ganz gut durch. Klops war im Kintergarten, Mops hat den Vorteil, dass ich von ihr kein Verständnis und keine Rücksicht erwarte und die Kassiererin im Supermarkt rettete mir vorerst den Tag, indem sie mich auf meine EC-Karte aufmerksam machte, die ich liegen gelassen hatte. Mir ging es also schlecht, aber ich schien gut damit  klar zu kommen.

Dann kam Klops…

„Mamaaa? Darf ich…“ „Mama! Guck mal!“ „Mamaaaaa!“ Und dazu der Mops als  musikalische Untermalung: „Ö ö öhhh. Ähhhh. Mamamamamam.“ Langsam, ganz langsam brökelte meine Selbstbeherrschung dahin. Aus „Klops. Bitte! Mir geht es nicht gut.“,  „Schrei bitte nicht so!“ und „Mops, was ist denn los? Alles ist gut!“ wurde „Kannst du nicht endlich mal still sein? Das kann doch nicht so schwer sein!“ und “ Mops, allmählich gehst du mir echt auf den Piss!“ Ja, ich weiß, höchst pädagogisch!

Und dann nahm das Drama seinen Lauf. Ich versuchte Klops und mich mit Bügelperlen zu beschäftigen. Ich hatte sie extra ein Hello Kitty Bild aus den Internet aussuchen lassen, damit die Motivation möglichst groß war, es zu Ende zu bringen. Das war mir besonders wichtig — etwas zu Ende bringen. Ich setzte alle Hoffnungen in diese Bastelarbeit und freute mich am Ende dieses bescheidenen Tages wenigstens ein fertiges  Bügelperlenbild zu haben. Dafür nahm ich sogar das nervtötende „Mama, guck mal wie weit ich bin!“ nach jeder zweiten Perle in Kauf.

Es wäre unser erstes Bild gewesen, denn die Perlen waren gerade eingetroffen. Ja, WÄRE! Als ich kurz zu Mops auf den Boden musste, schüttete Klops das fast fertige Bild zurück in die Kiste! Oh mein Gott! Meine Welt brach zusammen! Und wer war schuld? Klops! Und das ließ ich sie spüren. Ich donnerte so lange Vorhaltungen und Vorwürfe auf das arme Ding ein, bis sie sich heulend in ihr „Geheimversteck“ flüchtete.

Nach ein paar Minuten kam sie wieder heraus und ich entschuldigte mich bei ihr. Ich habe das Bild später noch einmal gemacht, um es ihr zu schenken. Aber ganz ehrlich?! Mein Ausbruch tat und tut mir bis heute nicht leid. Es tat einfach sooo gut, für einen Moment die Selbstkontrolle zu verlieren. Für einen Moment ging es nicht um die Bedürfnisse aller Anderen, sondern um meine. Das war wie für einen kurzen Moment endlich allein zu sein.

 

[ssba]

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