Die Blogfamilia und ich — wie man sich (k)ein Netzwerk aufbaut

Letzte Woche war ich auf der Blogfamilia. Für mich war es nicht nur die erste Konferenz als Blogger, sondern die erste überhaupt. Mal abgesehen von den unzähligen Tagungen, die ich damals als Bankettleiterin in einem Hotel betreut habe. Die Rolle des Teilnehmers war mir dementsprechend neu. Nachdem ich aus Gewohnheit das Getränkebüffet mit einem Blick gescannt und dem zwanghaften Bedürfnis widerstanden hatte, die gerade leer gewordenen Flaschen abzuräumen, fand ich mich ganz gut in meine neue Rolle ein.

Und was soll ich sagen – auf der anderen Seite des Tagungsraumes ist es viel cooler! Ich bekam gutes Essen und Trinken und himmlische Cake Pops, mit denen ich mich am liebsten in ein dunkles Kämmerlein verzogen hätte. Die Veranstaltung war gut organisiert. Das Programm war vielseitig und – mit einer Ausnahme – lauschte ich mit Interesse den spannenden oder zumindest amüsanten Vorträgen. Überhaupt finde ich das Thema Bloggen wesentlich spannender als beispielsweise die Auswirkungen von lehmhaltigen Böden auf das Weinaroma oder unterschiedliche Geschmacksnuancen bei Olivenöl. (Sorry, an alle die das interessiert. Es ist einfach nicht Meins. Gebt mir ein Bier und eine Currywurst-Pommes und ich bin glücklich.)

Mami, Mami, wenn ich groß bin, möchte ich Blogger werden!“

Professioneller Blogger werden – der Gedanke gefällt mir. Nicht mit diesem Blog. Das ist meine persönliche Spielwiese, abseits von Monetarisierung, Google Analytics und SEO. Aber bei einem Blog mit einem anderen Themenschwerpunkt, kann ich mir das gut vorstellen. Es macht mir Spaß zu schreiben, zu recherchieren und Ideen habe ich mehr, als ich momentan Zeit habe. In Sachen Technik und Kommasetzung besteht in jedem Fall noch Nachholbedarf, aber das schreckt mich nicht sonderlich ab. Es gibt da allerdings eine Sache – die, wie ich gehört habe, beim Bloggen sehr wichtig ist – vor der es mir regelrecht graut: das Netzwerken.

Ich hatte es mir vorher schon gedacht und auf der Blogfamilia hat es sich bestätigt. Beim Netzwerken bin ich diejenige, die durch die Maschen fällt, weil sie lieber parallel zu allen anderen läuft, statt mal quer zu gehen und sich zu verknoten. Ich bin nicht in der Lage auf fremde Menschen zuzugehen und aus dem nichts ein Gespräch anzufangen. In jeder Pause suchte ich mir einen leeren Tisch und saß alleine dort, bis es mit dem Programm weiterging. Ich fühle mich dabei nicht einmal unwohl, aber sinnvoll ist es trotzdem nicht, wenn man ein Netzwerk sucht, mit dem man sich austauschen möchte. Das kann doch nicht so schwer sein, mach einfach mal! hallte es durch meinem Kopf. Half aber auch nichts.

„Wat? Wer bis du denn?“

Ich kann es nicht. Ein Teil von mir – nennen wir ihn Hugo – will nicht und je mehr Druck ich mache, desto sturer wird er. Wenn er dann doch mal nachgibt, lösen meine Gesprächsbeiträge meistens peinliche Pausen im Gesprächsverlauf aus, die mir entgegen schreien: „Wer bist du Olle denn, und was quatscht du für einen Blödsinn?“. Und so wird Hugo von Mal zu Mal sturer, vor allem, weil er selbst mitbekommt, was für einen Stuss ich rede, wenn ich mich zu etwas zwinge und mich deswegen unsicher fühle. Ich glaube, Hugo will mich beschützen. Er weiß, dass ich mich in meiner Umgebung, bestehend aus Menschen, Orten oder Fachgebieten, sicher fühlen muss, um ungezwungen ich selbst sein zu können. Eigentlich reicht einer dieser Anker aus. Auf der Blogfamilia jedoch kannte ich niemanden, der Ort war neu und Bloggen ist beim besten Willen nicht mein Fachgebiet. Mit einem Tablett voller Getränke in der Hand, oder als Ansprechpartner der Location für die Organisatoren wäre ich ein anderer Mensch gewesen. Selbstbewusst und ohne Hugo im Schlepptau.

Ich beneide die Menschen, die augenscheinlich keinen Hugo brauchen. Die einfach, weil sie so sind wie sie sind, andere Menschen ansprechen und dabei so ungezwungen wirken. So wie Bea von Tollabea, die vor mir in der Schlange zum Buffet stand. Sie drehte sich um, schaute unverblümt auf mein Namensschild und sagte: „Hallo. Deinen Blog kenne ich gar nicht. Wer ist denn Klops?“ So fängt man ein Gespräch an: Spontan, simpel und ehrlich! Ist das denn so schwer, Martina? Wir unterhielten uns kurz – zum Glück, ohne dass ich in Verlegenheit geriet – dann musste sie weg. Einerseits fand ich es schade, andererseits war ich froh, weil meine Unsicherheit auch nicht verschwindet, wenn mich jemand anspricht. Das kann sogar eine Art innerlicher Schockstarre auslösen, durch die ich gar nicht mehr kontrolliere, was ich verbal von mir gebe.

Digital ist es übrigens auch nicht besser. Ich habe schon unzählige Kommentare nicht abgeschickt, weil ich es einfach nicht geschafft habe, dass sie natürlich und ungezwungen klingen, obwohl ich wirklich gerne etwas zu dem Thema gesagt hätte. (Über einen Tweet kann ich gut und gerne mal 20 Minuten grübeln – EINEN TWEET! Ihr wisst schon, der Kanal mit den bahnbrechenden 140 Zeichen!) Ich habe meistens das Gefühl unhöflich zu sein, mich unklar auszudrücken oder ich kann letztlich den Mehrwert meines Kommentars für den Autor nicht sehen und lösche wieder alles. Nur selten kommt es vor, dass mir das egal ist und ich auf Senden tippe. Folgt dann keine Reaktion, kann ich Tage darüber grübeln, was ich falsch gemacht habe.

Und nun?

Tja, eine gute Frage. Ich kann mich nicht verbiegen. Da kommt nur Mist bei heraus. Ich sollte einsehen, dass ich, sinnbildlich gesehen, keine Bea bin und es vermutlich auch nie sein werde. Das ist im Grunde auch nicht schlimm. Denn eigentlich bin ich gerne wie ich bin. Aber für ein erfolgreiches Blog, braucht man doch ein Netzwerk! Ja, ja, schon verstanden. Ich will die Idee vom professionellem Bloggen trotzdem nicht aufgeben. Und auf jeden Fall möchte ich nicht zurück in die Gastronomie. Vielleicht ist Netzwerken ja nur ein Faktor unter vielen. Vielleicht kann ich mein Defizit mit ein paar SEO-Tricks und gekauften Followern bei Instagram ausgleichen. Vielleicht dauert es bei mir einfach nur länger. Es sind mir zu viele Vielleichts, um bereits alles aufzugeben. Mir fällt schon etwas ein. Zur Not besuche ich kommende Blogger-Konferenzen mit Schürze und Tablett in der Hand. Oder habt ihr andere Tipps für mich?

[ssba]

10 thoughts on “Die Blogfamilia und ich — wie man sich (k)ein Netzwerk aufbaut”

  1. Darf ich mich nächstes Mal zu Dir setzen und Dich netzwerken? Ich kannte auch nur 2 Menschen so richtig gut, und das waren meine Kinder. Dann kannte ich noch ein paar Leute so’n bisschen und das war auch sehr nett. Aber die anderen 90% schienen sich schon seit 250 Jahren zu kennen, hatten sich Unmengen zu erzählen, fielen sich in die Arme, hatten 1000 Themen zusammen. Da mochte ich mich auch nicht so recht einmischen und aufdrängen und saß allein an dem Tisch, wo die anderen immer gefragt haben „können wir den freien Stuhl hier haben?“. Ich habe gerne beobachtet, und da ich im echten Leben auch Veranstalterin bin, hätte ich mich zwischendurch fast um den Soundcheck im Saal gekümmert. Beim nächsten Mal suche ich also nach der Frau mit dem Tablett – ich bin die beim Tonpult 😉

    1. Du darfst beim nächsten Mal gerne zu mir kommen, oder ich komme zu Dir ans Tonpult. Das ist vermutlich leichter zu finden. 🙂 Ich hatte schon vorab durch Twitter das Gefühl, dass sich alle seit Ewigkeiten kennen, und hatte überlegt nach anderen „Außenstehenden“ zu fragen. Natürlich habe ich mich aber nicht getraut. Beim nächsten Mal vielleicht, jetzt wo ich weiß, dass es vielen anderen ähnlich geht.

  2. Hallo,

    Mir geht es auch immer wieder wie dir. Ich war nicht dabei und dieser Hugo ist einer der Gründe, weswegen ich mich immer wieder vor sowas drücke – und danach bedauere, weil „alle anderen“ viel Spaß hatten. (Dabei blende ich Hugo kurz aus…)
    Deswegen würde ich das Handtuch aber nicht werfen, sondern die „vielleichts“ probieren, wenn es doch Spaß macht.

    1. Du hast Recht, Amy, solange es Spaß macht sollte man weiter machen. Das Feedback heute hat mir außerdem gezeigt, wie vielen es ähnlich geht. Komischerweise habe ich auf diese Menschen kaum geachtet, sondern immer nur auf die, die ausgelassen mit allen redeten. Das versuche ich beim nächsten Mal zu ändern.

    1. Und am Ende kümmert sich niemand mehr ums Bloggen! Dass wäre ja ’ne tolle Bloggerkonferenz. 😉 Obwohl, Du könntest Blogbeiträge korrigieren, dann passt es thematisch wieder.

  3. Ach mensch – das hat mich persönlich auch davon abgehalten, bisher dort hin zu gehen. Aber: nächstes mal kneife ich nicht. Und ich werde Alu mal den Vorschlag machen, dass sie einen „Tisch der einsamen Bloggerinnen“ schafft und damit quasi einen Ort für alle diejenigen, die sich noch nicht richtig dazugehörig fühlen und nicht wirklich wissen, wie sie mit den anderen ins Gespräch kommen. Lustigerweise kommt man ja viel leichter ins Gespräch, wenn man das selbe Problem hat.

    Und mich findet ihr dort dann auch – bitte sprecht mich an!

    1. Oh, das ist eine tolle Ideee! Hat zwar ein wenig den Charakter einer Selbsthilfegruppe, aber das könnte funktionieren. 🙂

      Ich hätte gar nicht gedacht, dass es dir auch so geht. Euer Blog ist so erfolgreich, da stellt ich mir immer gleich vor, dass die dazugehörigen Blogger über jeden Selbstzweifel erhaben sind.

  4. Hallo,
    Sehr sympathischer Text mit Sichtweise ähnlich meiner.
    Mir stellt sich jetzt letzten Endes noch die Frage wie lange Du dann letztendlich für das Schreiben dieses Textes benötigt hast.
    Mit freundlichen Grüßen Flo

    1. Hallo Flo,

      Danke für deinen Kommentar. Bin immer erleichtert, wenn es anderen ähnlich geht. Wie lange ich für den Text gebraucht habe, kann ich gar nicht genau sagen. Es ist schon so lange her und ich schrieb ihn gestückelt während der Rückreise. Normalerweise brauche für so einen Post drei Stunden (inkl. Titelbildsuche). Ich bin aber schwer zufrieden zu stellen und hänge gerne mal zehn Minuten an einem Wort. Bei meinen letzten Posts habe ich das versucht abzustellen und dann etwa eine Stunde gebraucht.

      Lieben Gruß,
      Martina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.