Entschuldigung und Erklärung für meinen Wutausbruch

„Erforsche deine Gefühle, mein junger Padawan!“ – Ach, hätte ich doch auf Obi-Wan gehört! Dann könnte ich jetzt bereits in Ruhe mit meinem Mann den vierten Star Wars-Teil schauen, statt diese Zeilen zu tippen. Aber wer öffentlich anklagt, muss sich auch öffentlich entschuldigen können. Privat habe ich dies bereits getan.

Es geht um meinen offenen Brief an Annika von mamaschreibt.com. Ich habe für diesen Beitrag viel Zuspruch bekommen, weil es vielen bei der Lektüre von  Annikas Beitrag zu jammernden Müttern, ähnlich ging wie mir. Es gab aber auch Kritik zu meinem Beitag: Ich habe sie persönlich angegriffen und mein Text sei herablassend und beleidigend. Und damit hatten sie Recht, auch wenn das nicht meine eigentliche Intention war. Ich hatte nicht das Recht, sie so anzugehen.

Ich war wütend, richtig wütend über ihren Beitrag, in dem sie, aus meiner Sicht, von oben herab über jammernde Mütter urteilte, die weinend an den Kinderbetten sitzen; ihnen vorwarf nicht wirklich glücklich zu sein und ihr Mutterdasein zu bereuen, und ihnen dann auch noch aus ihrer privilegierten Situation (nicht wie diese Mütter völlig am Ende zu sein) heraus nahelegte, ihre Nervenzusammenbrüche doch bitte nicht vor den Kindern zu kriegen, weil das nicht gut für sie sei. Ich hoffe, diese Zusammenfassung meiner subjektiven Interpretation verdeutlicht, wie und warum ich so wütend war. Ihr wirklich gut gemeinter Ratschlag am Ende, sich einen Ausgleich zu suchen (sie geht drei Mal die Woche Reiten), klang einfach wie blanker Hohn und lieferte mir und meiner Wut zudem noch die Steilvorlage  schlechthin (sie solle von ihrem hohen Ross herunter kommen) für meinen „Gegenangriff“.

Ich halte Annika (mittlerweile) für einen sehr lieben Menschen, der unglücklich formuliert hatte, worum es ihr eigentlich ging, was in ihrem zweiten Beitrag deutlicher wurde. Ich kann verstehen, dass sie entsetzt war, als sie von einem Neunjährigem hörte, er fühle sich schuldig, am Unglück seiner Mutter. Wenn man den zweiten Beitrag liest, kann man erkennen, dass es ihr nicht darum ging jemandem Vorwürfe zu machen. Ich glaube, ihr taten einfach die Kinder leid und sie wollte sich für sie einsetzen. So wie ich sie nicht persönlich angreifen wollte, sondern mich für die Mütter einsetzen wollte, die augenscheinlich von ihr angegriffen wurden, und zu denen ich selbst vor ein paar Jahren gehört habe.

Es kann gut sein, dass ich im ersten Jahr auch viel, für manche vielleicht sogar immer, gejammert habe.* Ich weiß es nicht mehr genau. Aber ich kann mich noch viel zu gut an die Momente erinnern, in denen ich vor lauter Ohnmacht in Tränen ausgebrochen bin. Dabei würde ich behaupten, dass meine Tochter relativ pflegeleicht war. Da gibt es Eltern die viel häufiger und krasser solchen Situationen ausgesetzt sind/waren. Wie Mo Zart von 2KindChaos, deren Beitrag zum Thema Aufopferung ich ein paar Tage zuvor gelesen hatte, und der vermutlich in meinem Kopf noch nachhallte.

Diese Meinung und Kritik hätte ich (in der Theorie) aber auch  trotz des Missverständnisses sachlicher verdeutlichen können. Mir fehlte der emotionale Abstand und ich konnte meine Gefühle nicht von meiner Argumentation trennen. Ich habe daraus gelernt, und werde zukünftig (ich hoffe nicht, dass es allzuoft dazu kommen wird) erst versuchen meine Wut zu überwinden, und erst dann öffentlich meinen Senf dazu geben. Mir tut es sehr leid WIE ich meinen Standpunkt vertreten habe, das war nicht fair, unabhängig davon, dass ich die Autorin falsch verstanden hatte. Dass ich sie zu unrecht attackiert habe, tut mir natürlich noch mehr leid. Erst einmal nachfragen, ob es so gemeint war, wie ich es verstanden hatte, hätte da geholfen. Ich behaupte einfach mal, dass die wenigsten Eltern-Blogger Profis sind, die ihre Texte genau so formulieren und aufbauen, dass sie auch wirklich immer genau das schreiben, was sie meinen. Das hatte ich nicht bedacht. Und auch nicht, dass Emotionen die Lesart so stark beeinflussen können. Andere haben schließlich verstanden, was sie meinte, und keinen Angriff auf, bildlich gesprochen, am Boden liegende Mütter gesehen.

Ich hoffe, dass sowohl mein letzter, als auch dieser Beitrag, die ersten und einzigen ihrer Art sein werden. Denn ich kann auf beides, die Wut und die spätere Reue der letzten Tage sehr gerne verzichten. In diesem Sinne:

Erforscht eure Gefühle und möge die Macht mit euch sein!

 

* Ich glaube nicht, dass es meiner Tochter geschadet hat und finde dementsprechend Jammern, weiterhin völlig in Ordnung. Man sollte nur sein Kind dabei nicht aus dem Blick verlieren, damit es ihm nicht so ergeht wie dem Jungen in Annikas Beitrag.

Nachtrag:

Annikas Seite ist mittlerweile offline. Böse Zungen behaupten jetzt vermutlich, sie hätte der Kritik nicht standhalten können. Das stimmt aber nicht. Die Kritik hat sie souverän gemeistert und nicht einfach wieder zurück geschossen, wie andere es getan hätten. Da aber 5 Tage und mehrfache Entschuldigungen nicht ausreichten, um keine wirklich bösen Nachrichten (dagegen war mein Text noch sachlich und nett) mehr zu bekommen, hat sie sich zu diesem Schritt durchgerungen. Ich kann das sehr gut verstehen, aber finde es traurig, dass es so weit kommen musste.

[ssba]

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