Spontaner Besuch im Sea Life Oberhausen

Letzten Dienstag erwartete Mops, Klops und mich eine angenehme Überraschung als wir uns zum Frühstücken an den Esstisch setzten: Durch das Wohnzimmerfenster sahen wir unser Auto, dass eigentlich mit dem Mann bei der Arbeit sein sollte. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung fiel mir ein, dass dieser nach Berlin musste und scheinbar den Zug zum Flughafen genommen hatte. Theoretisch eröffneten sich uns dadurch ungeahnte Möglichkeiten — praktisch wurden diese zwar durch elendiges Regenwetter und einen eher leeren Geldbeutel drastisch reduziert, aber das mussten wir ausnutzen. Nachdem unsere Freunde aus Köln keine Zeit hatten, kam mir die Idee, zum Sea Life nach Oberhausen zu fahren.

Wir hatten noch Freikarten, also würden nur Spritkosten anfallen, es war überdacht und mit Fischen können beide Mädels etwas anfangen — perfekt! Damit sich das ganze zeitlich lohnte, musste ich leider etwas hetzen. Das wollte ich mir für die Kitaferien eigentlich abgewöhnen, aber was soll’s. Nach dem Frühstück zogen wir uns schnell an, ich packte Wasser und Äpfel für alle ein und kochte asiatische Nudeln vor. Diese sollten abends mit etwas Gemüse und Ei in die Pfanne, damit wir nicht dort Geld für Essen ausgeben mussten. Fürs Mittagessen packte ich Butter und ein Messer ein und wollte, bevor es richtig losginge, noch Brötchen und Salami kaufen. Statt des Buggys entschied ich mich für das Tragesystem für die Kleine, was sich auch bezahlt machte. Dafür dass Mops und Klops die ganze Zeit auf mich einquasselten, beziehungsweise quengelten, fand ich, hatte ich das alles ziemlich gut und weitsichtig geplant. Aber was man vergisst, fällt einem eh immer erst später auf. Schnell notierte ich mir noch „die Route“ und los ging es.sealife_2Das Sea Life liegt so nah bei der Autobahn, dass ich davon ausgegangen war, nach der Ausfahrt von Schildern ans Ziel geleitet zu werden. Dementsprechend hatte ich mir den Rest der Wegbeschreibung gespart. Ans Sparen hat offenbar auch das Sea Life bei seiner Ausschilderung gedacht: Ausschilderung? Braucht doch kein Mensch! Die fahren eh alle mit Navi! Damit mögen sie nicht ganz unrecht haben. Für so Freaks wie mich, die Spaß daran haben, den Weg ohne Navi zu finden, endet das dann allerdings in wilden Irrfahrten. Ich habe euch unsere mal aufgemalt: sealife_14Unten rechts in hellblau geht es los. In einem Anflug geistiger Umnachtung hielt ich „Aqualand“ für „Sea Life“, was mir im gleichnamigen Parkhaus erst auf dem vierten Parkdeck auffiel. Beim Herausfahren — ich dachte ich sei völlig falsch — viel mir außerdem auf, dass ich vergessen hatte Bargeld mitzunehmen. Mit meinen letzten 50 Cent löste ich das Parkticket und machte mich weiter auf die Suche nach unserem Ziel. Nach sinnlosem Hin und Her fragte ich auf einem Lidl-Parkplatz eine Frau nach dem Weg und erreichte mit ihrer Beschreibung (rote Linie) das Sea Life, was leider keine eigenen Parkplätze hat, weshalb ich zurück in DASSELBE Parkhaus fuhr, in dem ich bereits 50 Cent für einmal hoch und wieder runter fahren bezahlt hatte.

Einatmen. Ausatmen. Jetzt nur nicht in Stress verfallen. Aber nach 33 Jahren mit mir zusammen, sind mir solche verpeilten Aktionen und Verkettungen unglücklicher Umstände bestens bekannt. Ich habe gut gelernt damit umzugehen. Nach gut eineinhalb Stunden Fahrt musste ich dennoch etwas kräftiger schlucken, als wir uns in die Schlange zum Sea Life einreihten und folgendes Schild (Foto habe ich erst später aufgenommen) entdeckten:sealife_550 Minuten?! Für einen Moment war ich äußerst genervt. Sagte mir dann aber, dass es nichts nütze. Nach Hause fahren wäre Blödsinn und einen Plan B für Oberhausen hatte ich auch nicht. Also beschloss ich nicht genervt zu sein und das Beste daraus zu machen. Ob ich genauso gut zurück zur Gelassenheit gefunden hätte, wenn ich folgendes Schild nicht erst beim durchsehen der Fotos entdeckt hätte, möchte ich nicht beschwören.sealife_3Ganze 90 Minuten waren es glaube ich letztlich nicht, aber etwas über eine Stunde schon. Diese ging jedoch relativ zügig um. Wir nutzten die Zeit, um die Brötchen zu schmieren, diese zu essen und weiter vorne auf der Absperrung zu turnen. Mops hatte zwischendurch Kuschelbedürfnis und kam ins Tragesystem. Ansonsten hielten die Kinder super durch. Auch dank der Mitarbeiter, die zwischendurch mit einem Korb, gefüllt mit Bonbons und Piraten-Tattoos, durch die Schlange gingen. Es war schön zu sehen, dass es den Betreibern nicht egal ist, dass ihre Besucher ewig warten müssen. Eine tolle Idee diesbezüglich ist auch ein „Schirmständer“, von dem sich die Wartenden einen Schirm leihen konnten.

Trotz all der Bemühungen waren wir natürlich heilfroh, als wir endlich hinein konnten — zumindest Klops und ich. Mops, die keine Ahnung hatte, was wir hier machten und was noch kommen würde, hatte sich mit der Absperrung angefreundet und wollte lieber weiter auf ihr herumklettern. Unter lautstarkem Protest musste ich sie regelrecht abpflücken. sealife_7Letztlich fand sie drinnen aber alles so spannend, dass das Gerüst schnell vergessen war. Aufgeregt quäkte sie mit großen Augen bei jedem Fisch: „Mama, Mama!“, „Fisch, Fisch!“, „Groooooß!“, oder „Booaaaah!“ (Fragt mich nicht, woher sie letzteres hat.) Wir ließen uns viel Zeit. Klops stellte viele Fragen und erklärte mir Dinge, die sie im Kindergarten über Fische gelernt hatte. Mops zerrte zwischendurch immer mal wieder an meinem Finger, um mir irgendetwas zu zeigen. Und trotzdem hatte auch ich Zeit, mir das ein oder andere Schild durchzulesen. Klops war sehr fasziniert von den Haien und der riesigen Schildkröte (ich würde sie gerne benennen, aber ich habe kein Schild gefunden) — wäre Mops nicht unruhig geworden, hätte sie ewig vor einer der Scheiben des großen Beckens gestanden.sealife_9Mir ging es ähnlich mit dem Pazifischen Riesenkraken, der mit seinen Tentakeln an der Scheibe seines Beckens tanzte. An den Berührbecken war es sehr voll und ich hatte Mops zu dem Zeitpunkt gerade im Tragesystem, weshalb wir dort nicht lange blieben. Ich hätte gerne der Mitarbeiterin dort zugehört, das klappte in dem Tumult leider nicht. Dafür konnte ich mich kurz von einer Putzergarnele anknabbern lassen, die neugierig auf meinen Finger zuhielt, als ich ihn ins Wasser tauchte. Nach etwa eineinhalb Stunden war Mops ziemlich fertig, behauptete sie sei ein „Wau-Wau“ und krabbelte zum Beweis über den Boden.sealife_12Durch den Souvenirs-Shop gelangten wir ins — nennen wir es mal wohlwollend — Restaurant. Da ich immer noch kein Geld bei mir hatte, gab es kein Eis, dass sich Klops gewünscht hatte. Stattdessen konnten wir das große Becken noch einmal von oben betrachten. Wir endeckten noch ein paar Haiflossen an der Oberfläche, warteten bis die Schildkröte auftauchte und verließen dann glücklich und zufrieden das Sea Life.

Nur nach Hause konnten wir noch nicht. Ich hatte immer noch kein Geld fürs Parkhaus. Dank meiner Irrfahrt wusste ich, dass das „Centro“ (bekanntes Einkaufszentrum) ganz in der Nähe sein musste und lief einfach mal mit den Kindern los. Dieses Mal ließ mich mein Optimismus nicht im Stich: Nach einem kurzen Fußweg waren wir dort, ich konnte Geld abheben (leider an einem Sparda-Automaten, was mich fast soviel kostet wie die Parkgebühren selbst) und wir gönnten uns doch noch ein Eis.sealife_13Ich könnte jetzt noch von der langwierigen Heimfahrt erzählen, auf der Mops sich übergab und dass es die Nudeln statt mit Gemüse mit Ketchup gab, aber ich denke ich habe genug geschrieben. Es war ein schöner und trotz allem entspannter Ausflug, den wir auf jeden Fall noch einmal mit dem Mann wiederholen werden.

 

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