Stilldemenz für Fortgeschrittene: Meine drei dümmsten Verfehlungen in der Stillzeit

Hast du meinen Schlüssel gesehen? Verdammt, wo ist schon wieder meine EC-Karte? Hab‘ ich den Herd ausgemacht? Es grenzt an ein Wunder, dass ich während der Stillzeit keines meiner Kinder verloren habe. Mein Mann war jedes Mal aufs Neue erleichtert, dass ich mich MIT Kind ausgesperrt hatte. Die Stilldemenz hat mich wahnsinnig gemacht. Schon seit längerem wollte ich über meine Top 3 Erlebnisse aus dieser Zeit berichten. Nättys Blogparade „Schwangerschaftsdemenz und äh … dingens … Stilldemenz“ auf bilderbuchbaby.com kommt mir daher sehr gelegen. Viel Spaß bei meinen drei glorreichsten Momenten.

Blogparade_Bilderbuchbaby

1. Endlich Ruhe

Irgendwann, sagen wir als Mops zwischen sieben und neun Monate alt war, bügelte ich am Abend unsere Wäsche. Mein Mann saß unterm Dach am PC und lernte, arbeitete oder zockte. Die Kinder waren im Bett und ich hatte „Babydienst“, also stand das Babyphone bei mir. Der Wäscheberg war groß und so entschied ich mich für einen Film zur Nebenbeiunterhaltung.

Eine Weile war alles gut. Ich bügelte abwesend vor mich hin und folgte der Handlung. Dann schlug das Babyphone aus. Ich wartete einen Moment ab. Vielleicht ist’s nur ein Pups, hoffte ich. Aber aus dem Quäken wurden langsam ein Weinen: Ich musste hoch. Ich hielt den Film an, machte das Babyphone aus und legte das Bügeleisen zur Seite. Schmollend und grummelnd bückte ich mich zur Steckdose hinunter. Ich hatte wirklich gehofft, meinen Bügelberg am Ende des Abends von meiner Liste zu streichen und den Film zu Ende gucken zu können. Im Kopf spielte ich durch, wie hoch die Chancen dafür noch standen und zog währenddessen den Stecker des Bügeleisens. Auf halben Wege durch die Tür fiel mir die Stille auf: Yeah, die Kleine ist wieder eingeschlafen!

Und so ließ ich den Film wieder laufen und bügelte fröhlich weiter. Etwa zwei bis drei Hemden später, hörte ich bitterliches Weinen im Flur. Oh Gott, das Baby ist aus dem Bett geklettert und krabbelt jetzt auf die Treppe zu! Ja, erste Gedanken können verdammt dämlich sein! Natürlich war das Baby nicht im Ninja-Style aus ihrem Bett geklettert, war nicht im Dunkeln durchs Zimmer gerobbt und hatte nicht im Sprung aus dem Vierfüßler die Tür geöffnet. Der arme Mops war im Flur, weil ihr Papa sie nach 15 Minuten Dauerweinen durch seine Kopfhörer gehört und sie aus ihrem Bettchen geholt hatte, während das Babyphone dank ihrer verpeilten Mama die ganze Zeit aus war, während selbige die Ruhe genoss und bügelte.

2. Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Armen

Nach meinem folgenden Stilldemenz-Erlebnis beschloss ich damals, vorerst nicht mehr größere Strecken alleine mit den Kindern zu fahren. Die Geschichte hätte nämlich böse enden können. Aber fangen wir vorne an. Ich war mit den Mädels (zu dem Zeitpunkt 3,5 Jahre und 6 Monate alt) auf der Babyparty einer Freundin im Bergischen Land, etwa 50 Kilometer von uns entfernt. Ich hatte meine Freundin lange nicht gesehen und war froh über jede ruhige Minute, weshalb ich Klops mehr Kuchen und Süßigkeiten erlaubte als sonst. Nach zwei Stunden machten wir uns über Land auf den Weg nach Hause. Beziehungsweise nach Bergisch Gladbach, wo wir meinen Mann einsammeln mussten.

Wir waren kaum fünf Minuten unterwegs, als Klops anfing zu jammern. Wann sind wir da? Ich will nach Hause. Undsoweiter. Weitere zehn nervtötende Minuten später übergab sie sich. Zum Glück kamen wir gerade durch ein Dorf und ich konnte sofort auf einem kleinen Parkplatz vor einem Versicherungsbüro anhalten. Ich sprang aus dem Auto und holte sie aus ihrem Sitz auf der anderen Autoseite. Wir blieben mit dem Rücken zum Auto bei geöffneter Tür stehen und während ich sie tröstete, versuchte ich sie mit dem letzten Rest Feuchttücher zu säubern. Als sie sich etwas beruhigt und ich ihr mein Oberteil angezogen hatte, wollte ich das Erbrochene vom Sitz entfernen und drehte mich um. In dem Moment rollte das Auto plötzlich rückwärts in Richtung Straße. Mit Mops auf dem Rücksitz! Ich hatte vergessen die Handbremse zu ziehen und der Parkplatz war mehr als leicht abschüssig. (Bis heute kann ich mir nicht erklären, warum das Auto nicht direkt losgerollt ist.) Aus Reflex stellte ich meinen linken Fuß hinter das Rad und stemmte meine Arme gegen den Türrahmen. Obwohl wir damals einen Kombi hatten, reichten meine Kräfte vorerst locker aus, um den Wagen zu halten.

So stand ich da, an einem Sonntag im Bergischen Land und niemand war zu sehen. Als erstes dachte ich daran, über die Rückbank zu hechten und die Bremse zu ziehen. Durch Klops‘ Reboarder erschien mir das jedoch etwas gewagt. Also musste ich wohl oder übel um Hilfe rufen. Die Situation kam mir so unecht vor, dass meine Hilferufe eher nach einer unsicheren Frage klangen. Ein Anwohner nahm es zum Glück trotzdem wahr. Er rannte über die Straße zu uns herüber und zog die Bremse fest. Ich dankte ihm tausend Mal, zog meinen Fuß unter dem Rad hervor und fuhr dann mit rasendem Herzen weiter.

3. Das Erdbeer-Komp(l)ott

Frühlingszeit ist Erdbeerzeit. Und ich liebe Erdbeeren. Am liebsten mit etwas Vanillezucker und Joghurt. Natürlich auch in meiner Stillzeit mit Mops. Ich freute mich sehr, als ich während eines Wocheneinkaufs die ersten (bezahlbaren) deutschen Erdbeeren entdeckte. Direkt landeten sie in meinen Einkaufswagen. Dachte ich zumindest. Zuhause angekommen räumte ich schnell alles ein und kümmerte mich dann um Mops. Abends wollte ich die Erdbeeren zubereiten, aber sie waren weg. Einfach weg. Hatte ich sie unterwegs verloren? Oder hatte ich sie gar nicht erst eingepackt? Ich hatte nicht die geringste Ahnung. Das Letzte, an das ich mich erinnerte, war meine Freude über die Erdbeeren, sonst war alles weg. Naja, passiert halt mal! dachte ich und lebte mein Leben weiter.

Ja, so etwas passiert mal. Manchmal auch zwei Mal. Sagen wir, exakt eine Woche später. Wieder war ich der Meinung, dass ich sie eingepackt hatte, hatte aber kein konkretes Bild davon im Kopf. Ich schob es auf die Stilldemenz und ging davon aus, dass ich sie einfach wieder nicht eingepackt hatte. Etwas seltsam kam mir das schon vor, aber ich kümmerte mich nicht weiter darum. Als es jedoch das dritte Mal in Folge passierte, war es vorbei. Wie eine Bekloppte suchte ich alles ab. Zuerst im Auto. Ich quetschte mich unter die Sitze, nahm den Kofferraum auseinander, hob sogar die Klappe zum Reserverad hoch, aber ich fand keine Erdbeeren. Also wieder zurück ins Haus. Ich räumte den Kühlschrank komplett aus. Irgendwo müssen diese verdammten Erdbeeren doch sein! Vorratsschrank, Topfschublade, Tiefkühlfach – nirgends eine Spur von ihnen. So verpeilt kann ich doch nicht sein! Jemand muss mir meine Erdbeeren klauen! Kein Witz, das dachte ich wirklich. Es war die einzig logische Erklärung. (Abgesehen von fortschreitender Unzurechnungsfähigkeit, aber wer will sich das schon eingestehen?!) Ich beschloss nie wieder Erdbeeren in diesem Supermarkt zu kaufen.

Daran hielt ich mich auch. Eine Woche später beim Einkaufen nahm ich lieber ein Paket Trauben und machte mich mit meinem vollen Wagen auf den Weg zur Kasse. Alles lag auf dem Kassenband, Mops war friedlich und ich träumte abwesend vor mich hin. „Sind das Ihre?“, riss mich plötzlich eine freundliche Stimme aus meinem Standby-Modus. Die Frau stand am Ende des Bands und zeigte auf ein Paket Trauben, dass einsam auf dem kleinen Absatz vor dem Kassenband stand. Ich hatte es dort abgestellt, damit die Trauben hinter den restlichen Einkäufen liegen und beim Einräumen nicht zerquetscht werden. Ich war so glücklich, ich hätte die Frau am liebsten umarmt. Endlich hatte ich eine Erklärung für die verschwundenen Erdbeeren. Ich hatte sie jedes Mal dort abgestellt und dann am Ende vergessen sie aufs Band zu legen.

So, das waren meine drei schlimmsten Stilldemenz-Vorfälle. Ich bin wirklich froh, dass das vorbei ist. Ich fand diese Vergesslichkeit schrecklich. Zwar ist letztlich nichts Schlimmes passiert, aber ich vergaß auch Gespräche mit meiner Familie oder Freunden und konnte mich nicht an Absprachen halten oder Ratschläge befolgen, weil ich mich schlichtweg nicht an sie erinnerte. Wie es anderen erging könnt ihr bei Nätty nachlesen. Bis zum 31. Mai könnt ihr dort auch eure eigenen Erlebnisse verlinken.

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6 thoughts on “Stilldemenz für Fortgeschrittene: Meine drei dümmsten Verfehlungen in der Stillzeit”

  1. Haha. Ich hab Tränen gelacht. Tut mir Leid 😉 Aber die Erdbeer-Geschichte ist einfach einsame Spitze!
    Ich glaube du spielst Still-Demenz-technnisch in meiner Liga!
    Vielen,vielen Dank für deinen tollen Beitrag zu meiner Blogparade!
    Ganz liebe Grüße,
    Nätty

    1. Das ist ja das Schöne an den Geschichten, dass man später drüber lachen kann. 🙂 Die Idee find ich super, und sie kam genau richtig. Ich arbeite nämlich effektiver, wenn ich eine Frist habe.
      Lieben Gruß,
      Martina

  2. So, die Blogparade ist beendet und deine Story „Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Armen“ war meine Liebste. Daher hab ich sie illustriert. Leider hab ich kein Foto von dir finden können, daher hab ich mir dein Aussehen ausgedacht ;D Mein einziger Anhaltspunkt waren die blonden Haare deiner Tochter. Haha ;D Das Bild steht dir übrigens zur freien Verfügung. Gant liebe Grüße, Nätty!!!

    1. Der Form halber auch noch einmal an dieser Stelle 😉 : Lieben Dank für das tolle Bild! Ich überleg mir gleich mal, auf welchen virtuellen Kaminsims ich es stelle.

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