Tagebuchbloggen — oder auch nicht

Eine packende Einleitung finden, passende Absätze wählen, Gedanken sortieren, die richtigen Worte verwenden, den roten Faden nicht verlieren, einen griffigen Schluss fertigen, Kontrolle: Rechtschreibfehler, fehlende Satzzeichen, zu viel geschrieben, zu wenig geschrieben, alle Links setzen; nun das Bild: erst Recherche, dann Bearbeitung; die Zwischenüberschriften nicht vergessen — über all das kann ich mir stundenlang Gedanken machen. Ein Blogpost dauert bei mir Ewigkeiten, weil ich ihn rund haben will, in sich schlüssig — eben perfekt. Ich kann nicht einmal sagen, ob das ewige Pfeilen und Abändern von Kleinigkeiten meine Texte wirklich verbessert.

Oh Gott! Ich habe in zwei aufeinander folgen Sätzen  Ewigkeit und ewig verwendet!

Normalerweise würde ich nun nach Alternativen suchen und abwägen, an welcher Stelle ich das Wort austausche. Heute werde ich es aber so stehen lassen — obwohl es mir in den Fingern juckt. Mir fehlt im Moment die Zeit und die geistige Energie für solch eine intensive Textarbeit. Ich will leichter schreiben (lernen). Und deshalb möchte ich, bevor ich gar nicht mehr schreibe, etwas ausprobieren, was eigentlich nicht mein Fall ist: Tagebuchbloggen. Ich denke immer, das interessiert doch eh keinen, was ich so den ganzen Tag mache. Vermutlich stimmt das sogar, aber es sollte mir egal sein.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Ich hoffe, dass ich dabei — neben dem „leichter Schreiben“ — auch wieder mehr auf das Hier und Jetzt fokussieren kann. In meinem Kopf rast es vor lauter Ideen und Vorhaben, die ich aber, weil Mops nicht in den Kindergarten geht, nicht einmal annähernd verwirklichen kann. Das frustet mich sehr und macht so anstrengende Phasen mit den Kindern, wie im Moment, noch schlimmer. Für die ganze Familie.

Ich habe mich entschieden, dass Mops erst nächstes Jahr in den Kindergaten kommt. Damit muss ich mich nun abfinden. Ich muss aufhören, irgendwelchen Ideen und Träumen hinterher zu rennen, die ich eh nicht verwirklichen kann. Das macht mich nur unglücklich. Vor einiger Zeit las ich bei Edition F einen Artikel über echte und falsche Träume von Lydia Krüger, darin heißt es:

„Jeder ist in jedem Moment genau in der Situation, in der er sein möchte.“

Das soll jetzt nicht heißen, dass meine Träume falsch sind. Nur der Zeitpunkt ist der falsche. Ich könnte es zu diesem Zeitpunkt nicht übers Herz bringen, Mops in den Kindergarten zu geben. Nicht wenn es nicht zwingend notwendig wäre. Alles andere steht hinten an, auch wenn ich mehr Befriedigung darin fände, mir beruflich etwas aufzubauen, statt fünfzig mal am Tag beim CD-Wechseln zu helfen, oder mich aus unerfindlichen Gründen anschreien zu lassen. Sprich: würde mir jemand die Pistole auf die Brust setzen, würde ich mich für ein Jahr länger mit Mops entscheiden, statt einen Berufseinstieg anzugehen oder meinen Hobbies nachzugehen. Und mal ganz ehrlich, ein Jahr ist nicht lang mit Kindern — immerhin lag Mops erst gestern als zerknautschtes, kleines Würmchen in meinen Armen und wird im November schon zwei.

Warum dann überhaupt weiterbloggen?

Ursprünglich wollte ich nicht weiter machen. Zumindest für ein paar Monate. Facebook und vor allem Twitter ignorieren, weil ich einfach auf zu viele neue Ideen komme, die ich jetzt nicht umsetzen kann. Und weil ich tagelang über die neuesten Streitthemen in der Elternblogger-Community nachdenke. Auch wenn ich nichts dazu schreibe, weil ich es nicht schaffe, entzieht mir das reine Grübeln darüber Energien, die ich sinnvoller einsetzen kann.

Die Idee mit dem Tagebuchbloggen kam mir heute, während ich mit den Kindern unterwegs war. Ursprünglich war es, glaube ich, der unbewusste Versuch, doch noch ALLES zu bekommen: Zeit mit den Kindern und das Bloggen. Aber während ich immer wieder darüber nachdachte, kam es mir so vor als könnte es mir sogar helfen, meinen geistigen Fokus wieder mehr auf meine Kinder und das Hier und Jetzt zu lenken. Ich würde den Tag noch einmal Revue passieren lassen und mir vor Augen halten können, was ich tatsächlich gemacht habe. Oft kommt es mir abends nämlich so vor, als hätte ich nichts getan und kann mir nicht erklären, warum ich so kaputt bin. Ich fühle mich dann nutzlos und unfähig. Ein doofes Gefühl und völlig ungerechtfertigt, wenn ich so darüber nachdenke.

Aber das wäre nun ein anderes Thema. Ich habe eh schon viel mehr geschrieben, als ich wollte. Eigentlich wollte ich nur kurz mit einer Erklärung einleiten und dann von meinem Tag heute berichten. Das ist irgendwie in die Hose gegangen. Was soll’s. Vielleicht dann morgen, jetzt muss ich schlafen.

[ssba]

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