Urlaub ist ein Arsch: Von Frust und Resignation einer Mutter

Morgen fahren wir in den Urlaub. Ich sollte mich freuen, Luftsprünge machen, auf dem Tisch tanzen,oder zumindest mal Lächeln. Kann ich aber nicht. Ich hab keinen Bock mehr. Auf den Urlaub nicht, auf Familienzeit nicht und auf Zeit mit meinem Mann auch nicht. Wird ja eh nichts daraus!

Ich hatte mich gefreut. Auf den Urlaub meines Mannes: Zweieinhalb Wochen mit ihm zusammen sein. Nicht alleine sein. Entspannt Zeit mit Klops verbringen, ohne dass Mops dazwischen funkt. Endlich seit Mops‘ Geburt (16 Monate) könnte ich wieder regelmäßig zum Training gehen. Und dann in der letzten Woche noch Urlaub mit meiner Mutter und meinem Bruder. Nur in der Eifel. Aber das war mir egal. Eine Woche raus aus dem Alltag, inklusive potentiellen Babysittern. Das letzte Jahr aus den Knochen schütteln und sich danach wieder frisch ans Werk machen.

Ich war ja so naiv. Eineinhalb Wochen sind jetzt um:

Tag 1: Termin mit dubioser Firma wegen Schimmel in unserem Keller, Mops ist noch nölig und (Mama-) anhänglich von gerade überstandenem Magen-Darm-Infekt. Mann kümmert sich um die Männer, ich um die Kinder. Ich konnte zum Training.

Me-Time? Check! Rest wird sich die Tage schon noch ergeben.

Tag 2: Mann muss sich um Finanzkram seiner Eltern kümmern, bringt Klops in den Kindergarten, fährt dorthin und kommt etwa eine Stunde vorm Abendessen wieder.

Ganzen Tag allein. Naja, wird ja jetzt besser.

Tag 3: Klops hat in der Nacht angefangen sich zu übergeben und hört nicht mehr auf. Im Wechsel kümmert sich einer um die Kranke und der andere um Mops. Training war gestrichen. Klops übergibt sich nachts alle 30 bis 40 Minuten. Ratlos gebe ich auf und fahre mir ihr zur Notambulanz. Gegen 2 Uhr sind wir zurück und können endlich schlafen. Um 4 Uhr reißt mich ein hysterisch schreiender Mops aus dem Schlaf, der zuvor noch im Kinderzimmer mit dem Papa geschlafen hatte. Diesen sehe ich gerade noch die Treppe hinunter jagen. Den Rest der „Nacht“ verbringt er im Bad.

Toll! Fängt ja gut an mein „regelmäßiges Training“… Aber besser jetzt krank, als im Urlaub, wie beim letzten Mal.

Tag 4 und 5: Klops und der Mann sind weiterhin krank. Mein Magen grummelt und krampft, hält aber Stand, dafür machen mir die Nebenhöhlen und Kopfschmerzen zu schaffen. Mops wird wieder anstrengender und klammert mehr. Bis zum Morgen schaffe ich es, mich einmal für 10 Minuten abzusetzen.

Geht weg, geht alle weg. Ich hab keine Lust mehr… einatmen… ausatmen… Tablette nehmen… Alles wird gut. Bald ist Urlaub.

Tag 6: Klops und Mann sind wieder fit. Das nutzen mein Körper und Geist aus und beschließen, sich eine Pause zu gönnen. Ich bin schlapp, habe zu den Kopfschmerzen noch Magenkrämpfe und will nur meine Ruhe. Krieg ich aber nicht: Weiterer Termin wegen des Schimmels. Ich muss Mops bespaßen. Mops hustete morgens fürchterlich und geht wegen jedem Pups an die Decke.

Ich will weg. Noch vier Tage. Bis dahin ist alles gut und wir haben jede Menge Spaß und Erholung. Ohm…

Tag 7: Mops hustet immer noch schlimm. Wir wollen zum Arzt. Klappt aber erst am Tag darauf. Noch ein Schimmeltermin. An Training ist noch nicht zu denken. Mops schläft ein paar Stunden ohne Begleitung. Meine erste Nacht ohne dauerhaft ein Kind im Arm zuhalten.

Siehst du? Es wird besser. Der Arzttermin ist eh nur zur Absicherung. Sie ist fit und Fieber hat sie auch nicht. Ein bisschen Husten, das geht von alleine weg.

Tag 8: Alleine mit Mops zum Arzt, weil – Trommelwirbel – noch ein Schimmeltermin ansteht. Diagnose: Bronchitis.

Toll! Kein Schwimmbad-Spaß mit der ganzen Familie im Urlaub. Enttäuschung. Wut. Wohin nur damit? Entspann dich! Hilft ja doch nichts. Dann gehst du halt nur mit Klops schwimmen. Muss ja nicht jeden Tag sein. Es gibt auch noch andere Dinge die wir zusammen machen können. Die Luft in der Eifel wird Mops gut tun. Hauptsache alle sind fit.

Tag 9: Heute. Morgen geht’s in den Urlaub. Ich gehe zu Klops ins Zimmer, um sie zu wecken. Sie hat Fieber. BÄÄÄM – Hoffnung weg. Vorfreude weg. Letztes bisschen Motivation weg.

Wieder ein Urlaub, in dem wir uns trennen müssen. Als nächstes ist bestimmt wieder Mops an der Reihe. Ist doch alles Kacke. Wozu freue ich mich überhaupt auf etwas? Entlastung? Akku auftanken? Bevor es wieder in den Alltag geht? Vergiss es! Ach, lass mich in Ruhe mit deiner Heulerei Mops! Lern Sprechen und sag mir was du willst! Ich habe keine Lust mehr. Echt nicht.

Ist doch nur ein Urlaub

Nein, für mich ist es nicht nur ein Urlaub. Für mich ist es einmal zu viel Zurückstecken, einmal zu viel Aufschieben. Keine Paarzeit, keine Familienzeit, keine Zeit für mich. Zeit für’n Arsch! Das erste Jahr mit Mops war anstrengend, wie bei jedem. Das war uns auch vorher klar. Wir hatten uns extra vorgenommen, keine großen Aktionen am Haus oder sonst etwas anzufangen. Diesmal wollten wir unsere Energie für die schlaflose und kräftezehrende Zeit aufheben. Pustekuchen! Messetermine meines Mannes am Wochenende, zwei oder drei Auslandsreisen, Schwiegervater für ein halbes Jahr im Krankenhaus, Weiterbildung, um einen neuen Job mit gleicher Bezahlung zu bekommen, drei Monate Dauerzahnen inklusive nächtlichem Dauernuckeln. Ich war gefühlt ständig alleine. Niemand konnte etwas dafür. Es war einfach so. Ich habe durchgehalten.

Jetzt kann ich nicht mehr. Ich brauche diesen Urlaub. Mops geht mir seit Wochen derartig auf die Nerven. Ich ertrage sie in manchen Situation nicht mehr. Ihr Geheule, Gejaule, Gejammere. Jedes Mal zieht sich meine Schädeldecke zusammen und ich verkrampfe innerlich. Ich will sie einfach nur von mir wegschieben. In mir ist Null Fürsorge mehr übrig. Beim Gewünschtesten Wunschkind habe ich vor einiger Zeit von Liebesspeichern bei Kindern gelesen. Die sollte man regelmäßig auffüllen. Ich fühle mich genug geliebt, aber mein Fürsorgespeicher ist leer. Ich mache alles was ich vorher für Mops gemacht habe, aber nun mit Widerwillen und Frust. Der Urlaub war mein Lichtblick. Er sollte meine Speicher wieder füllen. Und jetzt? Weitermachen natürlich! Aber mit welcher Haltung? Ich schwanke zwischen resigniertem „So ist es halt, nimm es hin“, zynischem „Warte mal ab, was wohl als nächstes kommt“ und selbstmitleidigen „Warum kann mein Brot nicht einmal mit der Marmelade nach oben auf den Boden fallen?“

[ssba]

One thought on “Urlaub ist ein Arsch: Von Frust und Resignation einer Mutter”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.